Jahr des Feuer-Pferdes: Warum QiGong 2026 besonders wichtig ist

Das Jahr 2026 steht im chinesischen Kalender unter einem besonderen Zeichen: dem Jahr des Feuer-Pferdes (丙午, Bǐng Wǔ). In der chinesischen Tradition verbindet diese Konstellation zwei ausgeprägte Feuer-Qualitäten miteinander: das Yang-Feuer des Himmelsstamms Bǐng und das Pferd, das ebenfalls dem Feuer zugeordnet wird.

Symbolisch steht das Feuer-Pferd für Bewegung, Leidenschaft, Mut, Dynamik und Veränderung. Gleichzeitig erinnert uns diese Zeitqualität daran, mit unserer Energie bewusst umzugehen: Aktivität braucht Ruhe, Expansion braucht Sammlung und Feuer braucht ein Gefäss.

Gerade hier kann QiGong eine wertvolle Praxis sein.

Feuer trifft Feuer – eine ausgeprägte Yang-Qualität

In der chinesischen Medizin und der daoistischen Tradition wird das Feuer-Element unter anderem mit dem Herzen, dem Shen – häufig als Geist oder Bewusstsein übersetzt – sowie mit Freude, Lebendigkeit und Verbindung in Beziehung gebracht.

Ein Übermass an Feuer wird traditionell dagegen mit Unruhe, Rastlosigkeit und Schwierigkeiten beim Zur-Ruhe-Kommen verbunden.

Das Feuer-Pferd lässt sich deshalb als Bild für eine sehr aktive, nach aussen gerichtete Yang-Qualität verstehen. Es trägt den Impuls, etwas zu bewegen, Entscheidungen zu treffen und Neues entstehen zu lassen.

Die Kunst besteht nicht darin, dieses Feuer zu unterdrücken, sondern ihm eine Richtung zu geben.

Warum QiGong im Jahr des Feuer-Pferdes 2026?

In einer intensiven Zeit brauchen wir nicht unbedingt noch mehr Aktivität. Manchmal brauchen wir vielmehr die Fähigkeit, unsere Energie zu regulieren und zu sammeln.

Genau darin liegt eine der grossen Stärken des QiGong.

Langsame, fliessende Bewegungen verbinden sich mit bewusster Atmung und Aufmerksamkeit. Dadurch kann die Praxis Entspannung fördern und dabei helfen, aus dem ständigen Denken wieder stärker in die Wahrnehmung des Körpers zurückzukehren.

Aus Sicht der chinesischen Medizin kann QiGong dazu beitragen,

  • den Shen zur Ruhe kommen zu lassen,

  • Körper und Atem zu regulieren,

  • Spannung und Entspannung bewusster wahrzunehmen,

  • die eigene Mitte zu stärken und

  • Yin und Yang wieder besser auszubalancieren.

Man könnte sagen: QiGong löscht das Feuer nicht – es hilft uns, damit umzugehen.

Das Herz im Mittelpunkt

Das Feuer-Element ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin eng mit dem Herzen (Xin) verbunden. Dabei bezeichnet das Herz nicht nur das körperliche Organ. Es gilt zugleich als Sitz des Shen, unseres Geistes und Bewusstseins.

Ist der Shen ruhig, können Klarheit, Präsenz und Verbundenheit entstehen. Ist er aufgewühlt, fällt es schwerer, zur Ruhe zu kommen.

Auch aus moderner Perspektive wissen wir, dass regelmässige Bewegung, Atemregulation und meditative Praktiken einen wertvollen Beitrag zu Entspannung und Wohlbefinden leisten können. QiGong verbindet diese Elemente in einer einzigen Praxis.

Die traditionelle Sprache des Qi und die moderne Sprache von Körper- und Nervensystem beschreiben dabei nicht dasselbe Modell. Beide können uns jedoch unterschiedliche Perspektiven darauf eröffnen, wie wir mit Aktivität, Stress und Regeneration umgehen.

Feuer braucht Wasser

Im System der fünf Wandlungsphasen bildet Wasser den Gegenpol zum Feuer.

Wasser steht für Ruhe, Tiefe, Sammlung und Regeneration. Feuer steigt auf, Wasser sinkt ab. Feuer bewegt nach aussen, Wasser führt zurück nach innen.

Für ein stark vom Feuer geprägtes Jahr ergibt sich daraus eine einfache Praxis:

Mehr Verwurzelung. Mehr Ruhe. Mehr Körper. Mehr bewusster Atem.

Stilles QiGong, Meditation, langsame Bewegungen, Spaziergänge in der Natur und Zeiten ohne permanente Reize können diese Qualitäten unterstützen.

Auch die Erde spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie steht für Mitte, Stabilität und Verwurzelung – Qualitäten, die uns helfen können, grosse Energie nicht nur zu erzeugen, sondern auch zu tragen.

Vom Feuer in die Gemeinschaft

Eine weitere spannende Perspektive eröffnet das Yi Jing (I Ging). Das Hexagramm Tong Ren 同人 – „Gemeinschaft mit Menschen“ beschreibt die Kraft, die entsteht, wenn Menschen sich über persönliche Grenzen hinweg miteinander verbinden.

Unabhängig davon, welche konkrete Zuordnung man für ein Kalenderjahr verwendet, passt dieses Bild bemerkenswert gut zur Qualität des Feuer-Pferdes: Energie möchte nicht nur individuell ausgelebt werden. Sie kann auch in Begegnung, Gemeinschaft und gemeinsames Handeln fliessen.

Damit wird QiGong für mich zu mehr als Körperarbeit.

Wenn wir lernen, uns selbst wahrzunehmen und unsere eigene Mitte zu halten, können wir auch anderen Menschen anders begegnen: weniger reaktiv, klarer und gleichzeitig offener.

Die Kraft des Feuer-Pferdes bewusst nutzen

Das Jahr des Feuer-Pferdes muss also nichts sein, vor dem wir uns schützen müssen.

Feuer schenkt uns Lebendigkeit, Begeisterung und die Kraft zur Veränderung. Das Pferd bringt Bewegung und Freiheit.

Die entscheidende Frage lautet:

Können wir diese Energie führen, ohne uns von ihr treiben zu lassen?

Genau darin sehe ich eine der Qualitäten des QiGong. Die Praxis lehrt uns nicht, möglichst wenig Energie zu haben. Sie lehrt uns, Energie wahrzunehmen, zu sammeln, zu bewegen und im richtigen Moment wieder zur Ruhe kommen zu lassen.

QiGong in Bern und Jegenstorf

Wenn du QiGong kennenlernen oder deine Praxis vertiefen möchtest, begleite ich dich gerne dabei. In meinen QiGong-Kursen in Bern und Jegenstorf verbinde ich traditionelle QiGong-Übungen mit Atem, Meditation und einem modernen Verständnis des menschlichen Körpers.

Das Jahr des Feuer-Pferdes 2026 kann dabei eine schöne Erinnerung sein:

Nicht schneller werden – sondern lernen, mit der eigenen Energie bewusster umzugehen.

Marc Walter
Humanbiologe MSc. | QiGong-Lehrer | Meditationsbegleiter

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