Die verschiedenen Arten von QiGong – Welches QiGong passt zu dir?

Wer mit QiGong beginnt, stellt oft fest, dass QiGong nicht gleich QiGong ist. Manche Übungen sind ruhig und meditativ, andere dynamisch und kräftigend. Einige fördern vor allem die Gesundheit, andere dienen der inneren Entwicklung, der Kampfkunst oder der Kultivierung von Bewusstsein.

Viele Menschen fragen mich: Welches QiGong ist das richtige? Oder: Welche QiGong-Art eignet sich für Anfänger?

Die Antwort ist einfacher, als man vielleicht denkt. Doch zunächst lohnt sich ein Blick auf die erstaunliche Vielfalt dieser jahrtausendealten Praxis.

Wie viele QiGong-Arten gibt es?

In einer landesweiten Untersuchung in China wurden in den 1990er Jahren rund 7.000 verschiedene QiGong-Systeme gezählt. Diese Zahl verdeutlicht, wie vielfältig sich QiGong über Jahrhunderte entwickelt hat.

Ähnlich wie im Yoga oder in der Meditation entstanden unterschiedliche Schulen, Lehrerlinien und Übungsformen. Hinter dieser Vielfalt stehen jedoch dieselben grundlegenden Prinzipien: bewusste Bewegung, Atmung, Entspannung, Aufmerksamkeit und die Kultivierung von Lebensenergie – dem Qi.

Bewegtes und stilles QiGong

Die wohl wichtigste Unterscheidung ist jene zwischen bewegtem QiGong (Dong Gong) und stillem QiGong (Jing Gong).

Beim bewegten QiGong wird der Energiefluss durch sanfte Bewegungen unterstützt. Der Körper wird mobilisiert, die Gelenke werden geschmeidiger und die Atmung vertieft sich auf natürliche Weise.

Im stillen QiGong stehen Meditation, innere Wahrnehmung und Bewusstseinsentwicklung im Vordergrund. Die äussere Bewegung wird reduziert, während die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet wird.

In traditionellen Schulen ergänzen sich beide Formen. Bewegung bereitet den Körper vor, während die Stille tiefere Ebenen von Präsenz und Bewusstsein erschliesst.

Weiches und kraftvolles QiGong

Eine weitere Unterscheidung findet sich zwischen weichem QiGong (Rou Gong) und kraftvollem QiGong (Ying Gong).

Weiches QiGong arbeitet mit Entspannung, Loslassen und fliessenden Bewegungen. Viele Gesundheitsformen und meditative Systeme gehören in diese Kategorie.

Kraftvollere Formen nutzen gezielt Muskelspannung, Struktur und Atemtechniken, um Stabilität und innere Kraft zu entwickeln. Sie wurden häufig im Umfeld traditioneller Kampfkunst praktiziert.

Die meisten modernen QiGong-Kurse in Europa orientieren sich heute am weichen QiGong und sind für Menschen jeden Alters geeignet.

Die wichtigsten Anwendungsbereiche des QiGong

Nicht jede QiGong-Praxis verfolgt dasselbe Ziel.

Gesundheits-QiGong

Diese Form ist im Westen am bekanntesten. Sie dient der Förderung von Beweglichkeit, Entspannung, Vitalität und innerem Gleichgewicht. Viele Menschen nutzen QiGong zur Stressreduktion, zur Unterstützung der Gesundheit oder als sanftes Bewegungstraining bis ins hohe Alter.

Meditatives QiGong

Hier stehen Achtsamkeit, innere Ruhe und Bewusstseinsentwicklung im Mittelpunkt. Atemübungen, das Arbeiten mit dem unteren Dantian, Meditation und stille Energieübungen gehören zu diesem Bereich.

Daoistisches und buddhistisches QiGong

Diese traditionellen Formen nutzen QiGong als Weg der Selbsterkenntnis. Die Übungen fördern Klarheit, Präsenz, Mitgefühl und Weisheit und bilden bis heute einen wichtigen Bestandteil vieler spiritueller Traditionen.

Kampfkunst- und Sport-QiGong

Hier werden die Prinzipien von Haltung, Atmung und Energieübertragung genutzt, um Kraft, Koordination und Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Welches QiGong eignet sich für Anfänger?

Aus meiner Erfahrung ist die beste QiGong-Form nicht die bekannteste oder die älteste. Die beste QiGong-Praxis ist jene, die Freude bereitet und regelmässig geübt wird.

Für die meisten Menschen eignen sich die 6 Harmonien, die 8 Brokate oder die 8 Diamanten hervorragend als Einstieg. Sie verbinden Bewegung, Atmung und Achtsamkeit auf eine natürliche und leicht zugängliche Weise.

QiGong als lebenslanger Weg

Trotz der vielen unterschiedlichen Stile führen letztlich alle authentischen QiGong-Wege in dieselbe Richtung: zu mehr Präsenz, Gesundheit, Lebendigkeit und Verbundenheit mit sich selbst.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Welches QiGong ist das beste?“

Sondern vielmehr:

Welche Praxis lädt mich ein, regelmässig zurückzukehren?

Denn die Wirkung des QiGong entsteht nicht durch die Anzahl der Übungen, sondern durch die Tiefe der Erfahrung und die Kontinuität der Praxis.

Mit der Zeit wird QiGong weniger zu einer Technik und mehr zu einer Haltung dem Leben gegenüber – aufmerksam, entspannt, lebendig und präsent.

QiGong in Bern und Jegenstorf

Wenn du QiGong kennenlernen oder vertiefen möchtest, bist du herzlich willkommen. In meinen Kursen vermittle ich traditionelle QiGong-Übungen, Meditation und Atemarbeit in einer achtsamen und leicht verständlichen Form.

Marc Walter
Humanbiologe MSc. | QiGong-Lehrer | Meditationsbegleiter

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